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Am Mittwoch zogen seltsame Radarechos vom Saarland bis nach Baden-Württemberg.
Dünne Schleierwolken am Himmel, durch die verbreitet die Sonne lacht, hoher Luftdruck, trocken – kurz eine ruhige Wetterlage. Woher stammten dann die markanten Signale im Niederschlagsrader, welche am Mittwochnachmittag von Frankreich kommend über Südwestdeutschland zogen?

Ein verbreitetes Hilfsmittel zur Beobachtung des Wetterzustandes ist das Radar, bei dem Funkwellen an Regentropfen, Schneeflocken oder Eisteilchen in der Atmosphäre reflektiert werden und so ein charakteristisches Echo abgeben, wodurch Niederschlagsgebiete sichtbar gemacht werden können. Doch als am vergangenen Mittwoch gegen 11:30 Uhr ein markantes und kompaktes Echo über Saarbrücken auf den Radarschirmen erschien gab es weit und breit keinen Niederschlag. Da dieses Echo sich in den folgenden Stunden bei seiner Wanderung nach Südosten über Baden-Württemberg verfolgen ließ, kann es sich auch nicht um eine einmalige Fehlmessung oder ein sonstiges Artefakt gehandelt haben.
Verursacht wurde das Phänomen wahrscheinlich von haarfeinen, wenige Zentimeter langen und mit Metall ummantelten Kunstfasern, die speziell zur Störung von Radarechos von Flugzeugen in die Atmosphäre eingebracht werden und im Rahmen militärischer Manöver Verwendung finden. Denn in einer solchen Wolke aus sog. „Düppeln“ können beispielsweise militärische Flugzeuge von feindlichem Radar unerkannt agieren.
Diese militärische Radar-Störung kam erstmals im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz. Damals wurden dünne Stanniol-Streifen verwendet, die ihre Wirkung am besten entfalten, wenn ihre Länge ziemlich genau der halben Wellenlänge der zu störenden Radarwellen im Zentimeter-Bereich entspricht. Früher wurden deswegen in den Flugzeugen meterlange Stanniol-Streifen mitgeführt, die dann nach Entdeckung des feindlichen Radars Vorort auf die effektivste Länge zugeschnitten wurden.
In den vergangenen Jahren sorgten solche auch als „Geisterwolken“ bezeichneten Störechos immer wieder für Aufsehen, da sich verständlicherweise bisher keine Verursacher gemeldet haben. Am 19. Juli 2005 zogen so großräumige künstliche Radarstrukturen von der Nordsee bis ins Ruhrgebiet, dass eine Diskussion über die dafür notwendige Materialmenge entbrannte. Da moderne Düppel, welche im englischen als „chaff“ bezeichnet werden, eine so effektive Reflektivität besitzen, benötigt man zur Erzeugung eines mehrere hundert Kilometer langen Störechos möglicherweise nur wenige Kilogramm der jedoch auf optimale Länge zugeschnittenen Streifen. Wenn die Wellenlänge des zu störenden Radars jedoch nicht bekannt ist, was in der Praxis wahrscheinlich auch der Fall ist, so müsste man ein ganzes Spektrum unterschiedlich langer Düppel ausbringen, wodurch sich die benötigte Menge wohl auf mehrere hundert Kilogramm erhöhen würde.
Da von solchen militärischen Operationen keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, bleibt hier reichlich Raum für Spekulationen. Auch die Frage nach der Umweltverträglichkeit harrt bisher einer Antwort. Selbst über die Nationalität der Verursacher ist nichts bekannt. Schätzungen zu Folge könnten die Düppel vom vergangenen Mittwoch gegen 9:30 Uhr vormittags in der Gegend um Metz in Frankreich ausgebracht worden sein. Über alles weitere darf spekuliert werden.
Freitag, 19. März 2010, 15:00
Dr. Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion